Kurz-Info

über die christlichen Kirchen und Gemeinschaften in Luckau

1. Katholische Kirche

Die katholischen Christen von Luckau versammeln sich in der 1935 erbauten Christus-König-Kirche in der Käthe-Kollwitz-Straße 11.


Nach rund 500-jähriger Unterbrechung durch die Reformation fand hier das katholische Leben in Luckau wieder ein geistliches Zentrum.


 

In Dahme finden die katholischen Gottesdienste in der 1932 erbauten

St. Antonius-Kirche

in der Jägerstraße

statt ...

 

... und in Golßen versammeln sich die katholischen Christen in ihrer 1964 erbauten Kirche in der Bahnhofstraße 3, die der Rosenkranzkönigin Maria geweiht wurde.

Die

Katholische Kirche 


geht in ihren Anfängen auf den Apostel Petrus zurück, dem Jesus nach Überlieferung des Matthäusevangeliums sagte:

 

 „Du bist Petrus – der Fels – und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.

Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreiches

geben. …“

(Mt 16, 18-19)


Die Worte Jesu an Petrus als Schriftzug in der Kuppel des Petersdomes

Das 2. Vatikanischen Konzils formuliert deshalb das katholische Selbstverständnis wie folgt:


„… die einzige Kirche Christi … zu weiden, hat unser Erlöser nach seiner Auferstehung dem Petrus übertragen, ihm und den übrigen Aposteln hat er ihre Ausbreitung und Leitung anvertraut  …

 


Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfasst und geordnet, ist verwirklicht in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird.


Das schließt nicht aus, dass außerhalb ihres Gefüges vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit zu finden sind ..." (LG 8)

 

Was die Anzahl der Sakramente betrifft, so orientiert sich die katholische Kirche ebenso wie die orthodoxe an dem biblischen Hinweis aus dem Buch der Sprichwörter 9, 1:

 

"Die Weisheit hat ihr Haus gebaut

und ihre sieben Säulen behauen."

 

Es gibt daher in der katholischen Kirche sieben Sakramente:


Taufe                        Weihe                      Buße

Firmung                    Ehe                      Eucharistie

Krankensalbung

Der folgende Videoclip aus der Reihe „Katholisch für Anfänger“ versucht auf einfache und humorvolle Weise zu erklären, was man unter „katholisch“ versteht.


2. Evangelische Kirche

 

Die evangelischen Christen versammeln sich in der Nikolai-Kirche auf dem Luckauer Kirchplatz.


In dieser Kirche, deren Bau bereits im 13. Jahrhundert begann, finden seit etwa 1533 evangelische Gottesdienste statt.

 

Damals beschlossen die Luckauer Ratsherren die Einführung der Reformation und damit die Abschaffung der "papistischen Messe“ in der Nikolaikirche.


 

In Dahme finden evangelische Gottesdienste seit Einführung der Reformation 1543 in der bereits 1186 erstmals urkundlich erwähnten

Stadtkirche St. Marien in der Geschwister-Scholl-Straße 7 statt ...

 

 

... und in Golßen versammeln sich die evangelischen Christen in ihrer von 1811 bis 1820 erbauten Kirche in der Schulstraße 14.

 

 

Zwischen der evangelischen und der katholischen Gemeinde in Luckau gibt es schon seit längerer Zeit gute ökumenische Kontakte.

 

Bereits 1935 heißt es in einem Bericht der „Schlesischen Bonifatiusblätter“ über die Weihe der katholischen Christkönigskirche in Luckau durch Kardinal Bertram:

 

„Am 21. April 1933 erhielt Luckau einen eigenen Geistlichen. …

 

Bei seiner Einführung begrüßte ihn im Namen der protestantischen Kirchengemeinde Pfarrer Miething. …

 

Bei der Einweihung der Kirche vertrat Pastor Wippermann die evangelische Gemeinde, der der Herr Kardinal in bewegten Worten seinen Dank für die jahrelange Überlassung der Hospitalkirche aussprach.“

Die

Evangelische Kirche


geht in ihren Anfängen auf Martin Luther (1483-1546) und dessen im Jahre 1517 begonnene Reformation zurück.


Luther beschäftigte sich intensiv mit der Frage: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ und wandte sich gegen die in seiner Zeit durchaus populäre Ansicht, man könne die Gnade Gottes durch gute Werke verdienen, ja sogar mit Geld erkaufen.

 

Eine Antwort auf seine Frage fand Luther im Brief des Apostels Paulus an die Römer Kap. 3, 28:

 

„Denn wir sind der Überzeugung, dass der Mensch gerecht wird durch Glauben, unabhängig von Werken des Gesetzes.“


Luther-Bibel

Diese Aussage erschien ihm so bedeutsam, dass er sie in seiner Bibelübersetzung noch durch die Einfügung des Wortes „allein“, das im Urtext gar nicht enthalten ist, verstärken zu müssen glaubte, so dass Römer 3, 28 in der Lutherbibel nunmehr wie folgt lautet:

 

„So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.“

 

Damit war das erste „Sola“ = „allein“ der Reformation geboren, das später noch durch drei weitere „Soli“ ergänzt wurde.

 

 

Diese in Abgrenzung zur katholischen Lehre formulierten „vier Soli“ der Reformation gelten  von daher bis heute als Erkennungszeichen des evangelischen Glaubens:

Sola fideallein durch den Glauben

wird der Mensch gerechtfertigt.
(seine guten Werke spielen dabei keine Rolle)

 

Solus Christusallein Christus

hat Autorität über die Gläubigen.
(er übt diese Autorität aber nicht durch die Kirche aus)



Sola gratiaallein durch die Gnade Gottes

wird der Mensch errettet.
(sein eigenes Tun kann das nicht beeinflussen)

 

Sola scripturaallein die (Heilige) Schrift

ist die Grundlage des christlichen Glaubens.
(die mündliche Überlieferung, die Tradition der Kirche, gehört nicht dazu)

 

Hinsichtlich der Anzahl der Sakramente vertritt die evangelische Kirche deshalb den Standpunkt, dass es nur zwei Sakramente gibt.

 

Denn weil sich in der Bibel (mal abgesehen vom Sonderfall Johannes 20, 23) nur für die   

 

                                                       Taufe

 

                                  und  das

 

          Abendmahl



direkte Einsetzungsworte Christi finden lassen, gelten in der evangelischen Kirche auch nur diese beiden Handlungen als Sakrament.

Altarkanzel der evangelischen Autobahn- und Gemeindekirche in Duben

 

 

 

Die evangelische Kirche wird manchmal als die "Kirche des Wortes" bezeichnet, weil nach evangelischem Verständnis die Verkündigung des Wortes Gottes bedeutsamer ist als die Spendung der Sakramente.

 

Es gibt evangelische Kirchen, in denen diese Überzeugung durch die bauliche Gestaltung veranschaulicht wird, wenn nämlich die Kanzel dort ihren Platz bekommen hat, wo sich früher in katholischen Kirchen der Tabernakel befand, also auf bzw. über dem Altar.

 

Der folgende Videoclip zeigt einen 2012 zur ChurchNight produzierten Kurzfilm, der das evangelische Verständnis von Kirche und den Sinn der Reformation Martin Luthers auf eine originelle Weise veranschaulicht. 

3. Neuapostolische Kirche (NAK)

Die neuapostolischen Christen aus Luckau und Umgebung versammeln sich in ihrer 1967 erbauten Kirche am Bahnhof 9.


Der neuapostolische Glaube kam nach dem 2. Weltkrieg mit Flüchtlingen und Vertriebenen aus den ehemals deutschen Ostgebieten in die Stadt.

 

Vor dem Bau des eigenen Kirchengebäudes fanden neuapostolische Gottesdienste unter anderem in den Räumlichkeiten der ehemaligen staatlichen Versicherung am Luckauer Kirchplatz statt.


 

In Dahme finden neuapostolische Gottesdienste

in der Seniorenresidenz am Schloss 3

statt ...

 

... und in Golßen versammeln sich die neuapostolischen Christen in ihrer von 1968 bis 1970 erbauten Kirche in der Bahnhofstraße 11 (Eingang von der Lindenstraße).

 

 

 

Übrigens:

 

Im November 1949 hat Pfarrer Alfred Brucks der neuapostolischen Gemeinde in Luckau, die sich seinerzeit gerade im Aufbau befand und noch keinen eigenen Versammlungsraum hatte, einige Male gestattet, ihre Gottesdienste im heutigen Gemeinderaum unserer Luckauer Kirche abzuhalten.


Die

Neuapostolische Kirche


geht in ihren Anfängen auf den Volksschullehrer Heinrich Geyer (1818-1896) zurück.

 

Er gehörte der um 1830 in England entstandenen „katholisch-apostolischen“ Glaubensgemeinschaft an, in der von „prophetisch begabten“ Personen 12 neue Apostel ernannt worden waren, um der Christenheit das vermeintlich fehlende apostolische Amt wiederzugeben.

 

Man glaubte nämlich nicht, dass dieses Amt durch die apostolische Sukzession auf die katholischen (und orthodoxen) Bischöfe als rechtmäßige Nachfolger der Apostel übergegangen war, sondern meinte, mit dem Tod der biblischen Apostel sei auch deren Amt in der Kirche erloschen.

Heinrich Geyer (2. von links) im Kreise von ihm ernannter Apostel

Heinrich Geyer war in der katholisch-apostolischen Gemeinschaft als „Prophet“ für die Auswahl der Amtsträger zuständig und ernannte ab 1863 eigenmächtig auch in Deutschland neue Apostel.

 

Deren englische Amtskollegen, die sich bereits im Vorfeld eindeutig dagegen ausgesprochen hatten, mehr als 12 Apostel zu ernennen, schlossen Geyer daraufhin aus ihrer Gemeinschaft aus, so dass sich um die von ihm ernannten deutschen Apostel und ihre Nachfolger mehrere eigenständige Glaubensgemeinschaften entwickelten, von denen die Neuapostolische Kirche eine der größten und erfolgreichsten geworden ist.

Friedrich Krebs (1832-1905) - der erste "Stammapostel" der NAK

 

Unter den neuapostolischen Aposteln gibt es seit 1897 auch immer einen, der als „Stammapostel“ die gesamte Neuapostolische Kirche leitet und somit gewissermaßen Anspruch auf das Amt des Apostels Petrus erhebt.

 

 

Eine weitere Besonderheit des neuapostolischen Glaubens ist die Naherwartung der Wiederkunft Christi, wobei allerdings nicht die allgemein erwartete Wiederkunft Christi am Jüngsten Tag gemeint ist.

Erkennungszeichen der NAK

 

Nach neuapostolischem Glauben findet mehr als 1000 Jahre zuvor noch eine andere Wiederkunft Christi zur Entrückung von ausgewählten Gläubigen in den Himmel statt.

Und diese gilt als das nahe bevorstehende neuapostolische Glaubensziel.

Taufe

Das Bibelwort:

 

"Drei sind es, die Zeugnis ablegen:

der Geist, das Wasser und das Blut."

(1. Johannes 5, 7)



Abendmahl

wird von der neuapostolischen Kirche als Hinweis darauf angesehen, wie viele Sakramente es geben darf.

 

Neben der Taufe und dem Abendmahl gibt es daher nur noch ein weiteres Sakrament.

Versiegelung

Dieses wird als "Versiegelung" mit dem Heiligen Geist bezeichnet und ist in gewisser Weise mit der Firmung vergleichbar.

 

Nach neuapostolischem Glauben empfängt der Getaufte bei der Versiegelung durch die Handauflegung eines Apostels den Heiligen Geist.

Der folgende Videoclip zeigt den Anfang einer Image-DVD, mit der sich die Neuapostolische Kirche als eine lebensfrohe Glaubensgemeinschaft vorstellt, in der jeder willkommen ist. 

Das


DEKRET
UNITATIS REDINTEGRATIO
ÜBER DEN ÖKUMENISMUS


des 2. Vatikanischen Konzils

sagt über die nichtkatholischen

Kirchen und Gemeinschaften:


 „Trotz der Mängel,

die ihnen nach unserem Glauben anhaften,

sind sie nicht ohne Bedeutung und Gewicht

im Geheimnis des Heiles.

Denn der Geist Christi hat sich gewürdigt,

sie als Mittel des Heiles zu gebrauchen.“

 

und:

 

"Man darf auch nicht übergehen, dass alles,

was von der Gnade des Heiligen Geistes

in den Herzen der getrennten Brüder gewirkt wird,

auch zu unserer eigenen Auferbauung beitragen kann."

 


Das Bild wurde bei einer ökumenischen Pfingstandacht 2011 in Gehrden bei Hannover aufgenommen und zeigt einen evangelischen Pastor, einen katholischen Pfarrer und einen neuapostolischen Amtsträger

Über die Mitglieder

der nichtkatholischen Kirchen und Gemeinschaften

sagt das Konzil:


„Die katholische Kirche betrachtet sie als Brüder,

in Verehrung und Liebe.

Denn wer an Christus glaubt

und in der rechten Weise die Taufe empfangen hat,

steht dadurch in einer gewissen,

wenn auch nicht vollkommenen Gemeinschaft

mit der katholischen Kirche.“



 

Lasst uns beten für alle Brüder und Schwestern,

die an Christus glauben,

dass unser Herr und Gott sie leite auf dem Weg der Wahrheit

und sie zusammenführe in der Einheit der heiligen Kirche.


 Allmächtiger Gott,

du allein kannst die Spaltung überwinden

und die Einheit bewahren.

Erbarme dich deiner Christenheit,

die geheiligt ist durch die eine Taufe.

Einige sie im wahren Glauben

und schließe sie zusammen durch das Band der Liebe.


Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.



 (Große Karfreitagsfürbitte Nr. 5 "Für die Einheit der Christen")