Der zweite Credo-Abend unseres Dekanates

fand am 1. Februar 2013 um 19 Uhr in Finsterwalde statt.

 

Im Gemeindehaus an der Pfarrkirche hatten sich trotz regnerischen Wetters zahlreiche Interessierte aus verschiedenen Gemeinden eingefunden, als Pfarrer Norbert Christoph den Altbischof des Bistums Dresden-Meißen, Joachim Reinelt, begrüßte, der an diesem Abend zum Thema

 

„Wir glauben (an) die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“


einen interessanten Vortrag hielt.

 

 

Bevor hier einige Gedanken aus diesem Vortrag wiedergegeben werden sollen, kann man sich im nachfolgenden Videoclip der Steyler Missionare einen optischen und akustischen Eindruck vom Referenten machen, der hier einige Interview-Fragen beantwortet:

Zu Beginn seiner Ausführungen verwies der Bischof in Finsterwalde darauf, dass die Formulierung „Wir glauben an die Kirche“ zu dem Missverständnis führen könnte, die Kirche sei etwas anderes als wir, auf das wir sozusagen von außen schauen.

Doch Kirche sind wir alle und niemand außer Gott weiß, wer dazu gehört, obwohl er vielleicht kein katholisches Taufzeugnis hat.



 

Dann erinnerte Bischof Reinelt an den terroristischen Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001.

Damals erschien die Gefahr eines Krieges sehr groß. Bei einem Friedensgottesdienst in der Dresdener Kathedrale, an dem sowohl Abgeordnete des sächsischen Landtages als auch jugendliche Friedensdemonstranten teilnahmen, hörten diese unerwartet still und aufmerksam zu, als der Bischof sagte, ohne Gott könne es keinen wahren Frieden geben.

 

 

Es gäbe aber nicht nur Ereignisse wie dieses, sondern viele weitere Anlässe, die uns ermöglichen, mit Menschen, die der Kirche ansonsten fern stehen, unaufdringlich ins Gespräch über Gott zu kommen.

 

Gott erkennen und von ihm erfasst werden, könne man zumeist auf drei verschiedenen Wegen:

Zum einen durch die Begegnung mit Menschen, in denen Gott geradezu greifbar wird,

zum anderen durch Erfahrungen, die man in der Gemeinschaft der Glaubenden mache,

und schließlich durch das Leid.

Man müsse den Schmerz zwar nicht lieben, aber Jesus sei auch heute noch der Gekreuzigte, der alles menschliche Leid an sein Kreuz ziehe, so dass man ihm in den verschiedenen Leidenserfahrungen des Lebens besonders nahe kommen könne.

 

Der Bischof berichtete über eine Familie, die er zu DDR-Zeiten kennenlernte, als er noch Pfarrer war.

Der Familienvater, ein zunächst vom Sozialismus überzeugter Lehrer, lehnte das Angebot, Schulrat zu werden, ab, weil er sich dann von seiner katholischen Frau hätte scheiden lassen sollen, der er gestattet hatte, die gemeinsamen Kinder religiös zu erziehen.

Später bekam er Krebs und fand zum Glauben. Er starb mit allen Sakramenten der Kirche versehen. In einem Abschiedsbrief bat er seine Frau um Verzeihung, dass er sie so lange auf seinen Glauben habe warten lassen.

 

Außerdem sprach Bischof Reinelt von den drei Säulen der Kirche Martyria (Glaubensverkündigung), Liturgia (Feier des Gottesdienstes) und Diakonia (Dienst der Liebe).

 

Als Christ könne man in jedem Menschen, sogar im Feind, noch etwas von Gott entdecken. Das mache die Liebe möglich, ohne die es keine Kirche gibt.

 

Die Kirche bestehe allerdings immer aus Heiligen und Sündern, wobei jeder von uns gleichzeitig geheiligt sei und dennoch sündigt.

 

Auch von der Einheit der Kirche als Spiegelbild der göttlichen Dreieinigkeit war noch die Rede, ebenso wie von der Freude am Herrn, die unsere Stärke sein soll.

 

Nach dem Vortrag beantwortete Bischof Reinelt Fragen, die ihm aus dem Kreis der Zuhörer gestellt wurden, und er meinte, als Glaubender müsse man immer auch ein Fragender bleiben.

 

Zum Abschluss des Credo-Abends lud Pfarrer Christoph alle Anwesenden dazu ein, mit dem Bischof in die Pfarrkirche zu gehen und dort gemeinsam die Komplet zu beten.

 

 

Das darin gesungene Lied „Bevor des Tages Licht vergeht“ (GL 696) hören wir im folgenden Videoclip in einer Vertonung von Werner Hebeisen, gesungen vom Canisius-Chor in Wien.