"BILD" dir deine Meinung!

Eine Bild-Geschichte aus Luckau

Im Zusammenhang mit dem von der deutschen Bischofskonferenz festgelegten Gedenktag des seligen Johannes Paul II. hatte Pfarrer Marecik am Weltmissionssonntag, 23.10.2011, in der Luckauer Kirche ein Bild des Seligen neben der Muttergottesfigur angebracht und feierlich geweiht.

Nachdem vor allem aus den Reihen des Pfarrgemeinderates Stimmen laut wurden, die eine Entfernung des Bildes verlangten, ließ Pfarrer Marecik am 06.11.2011 nach dem Gottesdienst eine Stellungnahme verlesen (die auch hier am Ende unserer "Bild-Geschichte aus Luckau" veröffentlicht ist).

In dieser Stellungnahme wurde nachgewiesen, dass die Beschlüsse des 2. Vatikanische Konzils, die wiederum ältere Festlegungen des 2. Konzils von Nizäa aus dem Jahre 787 bestätigen, keine grundsätzlichen Einwände gegen die Anbringung und Verehrung solcher Bilder in katholischen Kirchen zulassen.

Um den Kritikern des Bildes entgegenzukommen, entfernte Pfarrer Marecik das Bild des seligen Johannes Paul II. am 13.11.2011 aber trotzdem von seinem umstrittenen Platz neben der Muttergottesfigur.

Nach Befragung verschiedener Gemeindemitglieder hat sich Pfarrer Marecik entschlossen, das Bild nunmehr an einem anderen und - wie zu hoffen bleibt - mehrheitlich akzeptierten Platz in der Luckauer Kirche anzubringen.

Es ist deshalb jetzt am Taufstein in der Nähe der Osterkerze und über der Figur des hl. Josef zu sehen.

Die Tatsache, dass ein Bild des seligen Johannes Paul II. in Luckau überhaupt  zu Protesten führen konnte, ließ auch die Frage aufkommen:

"Wie sieht es eigentlich anderswo mit der Verehrung von Bildern oder Bildnissen dieses Seligen aus?"

 

Nachfolgend ein diesbezüglich sehr interessanter und aufschlussreicher Blick in die übrige katholische Welt:

 

 

In Polen, der Heimat Johannes Paul II., sind Bilder des Seligen in den Kirchen etwas ganz Selbstverständliches.

 

 

An vielen Orten im ganzen Land sind sie in den Gotteshäusern anzutreffen.

 

 

Das nebenstehende Foto wurde z.B. in der katholischen Kirche des bekannten Kur- und Urlaubsortes Swieradow Zdroj (früher Bad Flinsberg) im Riesengebirge aufgenommen.

 

Links neben dem Kreuz befindet sich ein Bild von Johannes Paul II., rechts ein Bild des Barmherzigen Jesus.

In Rom gibt es sogar eine Ikone des seligen Johannes Paul II.

Sie befindet sich in der Kirche der durch ihre ökumenische Offenheit bekannten Gemeinschaft Sant'Egidio, die auf ihrer HP wie folgt darüber berichtet:

 

"Am Sonntag, den 1. Mai 2011, hat die Gemeinschaft Sant'Egidio ihre Dankbarkeit über die Seligsprechung von Johannes Paul II. durch eine Dankliturgie in der Basilika Santa Maria in Trastevere unter dem Vorsitz von Weihbischof Leon Lemmes zum Ausdruck gebracht. Dabei wurde auch eine Ikone des Seligen aufgestellt und gesegnet.

Am Ende der Liturgie wurde die Ikone in einer Prozession in die Kirche Sant'Egidio überführt, wo sie mit der kleinen Statue der Mutter Gottes aufgestellt wird, die Johannes Paul II. gehörte und der Gemeinschaft von Erzbischof Stanislao Dziwisz geschenkt wurde."

 

Doch auch in Deutschland ist die dauerhafte oder anlassbezogene Verehrung von Bildern des seligen Johannes Paul II. nichts Ungewöhnliches, wie z.B. in Münster, wo der dortige Bischof Genn während einer Dankmesse anlässlich der Seligsprechung am 08.05.2011 ein im Altarraum des St.-Paulus-Domes stehendes, reich geschmücktes Bild des Seligen feierlich inzensierte, wie auf dem folgenden Foto zu sehen ist.

<-- Dieses Gemälde des seligen Johannes Paul II. schmückte am 1. Mai 2011 anlässlich eines Tages der offenen Tür den Altarraum der Kirche des Priesterseminars St. Hieronymus in Augsburg, jenem Bistum, das gegenwärtig vom ehemaligen Görlitzer Bischof Dr. Konrad Zdarsa geleitet wird.

 

Ein weiteres großformatiges Porträtbild des Seligen ist dauerhaft in der Aula des Seminars zu sehen.

Das Priesterseminar war von Papst Johannes Paul II. am 4. Mail 1987 während seines Deutschlandbesuches persönlich eingeweiht worden.

 

 

In Hamburg wurde bereits vor der offiziellen Seligsprechung von Johannes Paul II. ein Denkmal des Papstes aufgestellt und im Rahmen eines Festgottesdienstes am 23.04.2007 feierlich geweiht.

Die Bronzeplastik des Bildhauers Jozek Nowak steht vor der St. Ansgar-Kapelle neben dem St. Marien-Dom (Danziger Straße 60).





Die HP des Bistums Dresden-Meißen meldet im Jahr darauf am 11.11.2008:

"Erstmals in Ostdeutschland hat Papst Johannes Paul II. (1920-2005) ein Denkmal erhalten. Es steht im Kloster St. Marienthal in Sachsen und wurde vergangenen Freitag vom Apostolischen Nuntius in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Perisset, in Anwesenheit von mehreren hundert Gästen aus Deutschland und Polen, darunter die Bischöfe von Dresden-Meißen, Görlitz, Liegnitz und dem Hildesheimer Altbischof gesegnet." 

 

 

Die HP des Erzbistums Paderborn berichtet folgendes:

 

"Anlässlich der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. am 1. Mai 2011 in Rom hat der Paderborner Weihbischof Hubert Berenbrinker im Hohen Dom zu Paderborn ein Pontifikalamt gefeiert. Anschließend weihte er eine große Kerze für den neuen Seligen, die am Feuer der Osterkerze entzündet wurde und jetzt im nördlichen Seitenschiff des Doms steht. Gemeinsam mit dem Weihbischof sprachen die Gottesdienstteilnehmer ein Gebet von Papst Johannes Paul II. und entzündeten anschließend weitere Kerzen vor dem Bronzerelief mit dem Bildnis des 2005 verstorbenen Papstes."

Ebenfalls im Erzbistum Paderborn befindest sich der Pastoralverbund Letmathe mit den katholischen Kirchengemeinden St. Kilian und St. Josef.

Auf der HP dieser Gemeinden war 2011 folgendes zu lesen:


„Im Rahmen der Kommunionjubiläen am 8.Mai hat Pfarrer Niemeier eine neue Statue in unserer Pfarrkirche gesegnet. Die Lindenholzfigur aus Kevelar zeigt das Abbild des seligen Papstes Johannes Paul II. Pfarrer Niemeier freut sich, dass mit Johannes Paul II. ein seliger unserer Zeit einen Platz in unserer Kirche gefunden hat.
Die Statue soll unter anderem einladen, das Gebet auch an den am 1.Mai selig gesprochenen Papst zu richten. Die Figur hat ihren Platz über dem linken Beichtstuhl auf einem noch freien Kapitell gefunden.“

In der Apollinariskirche in Remagen wurde am 1. Mai 2011 eine Abbildung des seligen Johannes Paul II. zusammen mit dem Gnadenbild des Barmherzigen Jesus eingeweiht und gesegnet.

Und das Bonner Münster im Erzbistum Köln teilte auf seiner HP mit:

 

Einen Ort zur Verehrung des neuen Seligen der Katholischen Kirche, Papst Johannes Pauls II., bietet das Bonner Münster: Am Abend der Seligsprechung des verstorbenen Papstes (Sonntag, 1. Mai 2011) enthüllten der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset, und Stadtdechant Monsignore Wilfried Schumacher eine Gedenktafel, die an den Bonn-Besuch des Pontifex im November 1980 erinnert. ... Die Gedenktafel zeigt Johannes Paul II. im stillen Gebet vor dem Schrein der Stadtpatrone Cassius und Florentius, ...  „Weil ich weiß, dass viele Menschen – auch bei uns in Bonn – diesen neuen Seligen verehren, war es mir ein Anliegen, jenen Moment festzuhalten und so einen Ort seiner Verehrung anzubieten“, sagte der Stadtdechant in seiner Ansprache. 

Stellungnahme zum Bild des seligen Johannes Paul II. in Luckau

(verfasst von Falk Peiler - am 06.11.11 in der Gemeinde vorgelesen

im Auftrag von Pfarrer Marecik)

Als sich die Gläubigen am Sonntag, 23.10.11, in der Luckauer Kirche zur Hl. Messe versammelten, bot sich ihnen ein ungewohnter Anblick. Neben der Marienfigur, die hier seit 51 Jahren auf die Gemeinde blickt, war ein Bild des im Mai diesen Jahres seliggesprochenen Papstes Johannes Paul II. zu sehen.

 

Wer am Tag zuvor die Kirchenzeitung "TAG DES HERRN" im Briefkasten hatte, konnte auf Seite 1 (der Ausgabe Nr. 43 vom 23.10.11) die folgende kurze Mitteilung lesen:

"Die deutschen Bischöfe haben beschlossen, dass die Seligen Papst Johannes Paul II. und Papst Johannes XXIII. auch in Deutschland offiziell verehrt werden dürfen."

Im deutschen Regionalkalender sei als Gedenktag für Johannes Paul II. der 22. Oktober vorgesehen.

 

Pfarrer Marecik, der das Bild des neuen Seligen im Zusammenhang mit diesem Gedenktag in der Luckauer Kirche so anbringen ließ, dass Johannes Paul II. gewissermaßen auf die von ihm stets verehrte Gottesmutter blickt, hat dieses Bild dann während der Hl. Messe am Weltmissionssonntag feierlich geweiht und sah sich damit wohl ganz in Übereinstimmung mit dem Beschluss des 2. Vatikanischen Konzils aus dessen Konstitution "Sacrosanctum Concilium", Kapitel 7, Nr. 125, wo es heißt:

 

 "Der Brauch, in den Kirchen den Gläubigen heilige Bilder zur Verehrung darzubieten werde nicht angetastet."



Dennoch löste das "zur Verehrung dargebotene" Bild bei manchen Gläubigen "Verwunderung" aus, so dass sich Pfarrer Marecik inzwischen mit einer starken Forderung nach Entfernung des Bildes konfrontiert sieht, wobei sich die Frage stellt: "Warum eigentlich?"

 

Verstößt das Anbringen und die Verehrung von Bildern, auf denen Selige oder Heilige dargestellt sind, etwa gegen das erste Gebot?

 

"Nein", antwortet das aktuelle Kompendium des Katechismus der katholischen Kirche unter Nr. 446, denn: "ausgehend von der Menschwerdung des Sohnes Gottes ist die christliche Verehrung der heiligen Bilder gerechtfertigt (wie das zweite Konzil von Nizäa im Jahr 787 bestätigt), denn ... es geht dabei nicht um Anbetung eines Bildes, sondern um die Verehrung der Person, die auf dem Bild dargestellt ist: Christus, die Jungfrau, die Engel oder die Heiligen."

 

Nun hat das 2. Vatikanische Konzil in dem bereits erwähnten Beschluss über die Bilderverehrung zwar hinzugefügt:

 

"Doch sollen sie (die zur Verehrung dargebotenen Bilder) in mäßiger Zahl und rechter Ordnung aufgestellt werden, damit sie nicht die Verwunderung der Gläubigen erregen oder einer weniger gesunden Frömmigkeit Vorschub leisten."

Aber welcher dieser Punkte trifft nun wirklich auf das Bild des seligen Johannes Paul II. in der Luckauer Kirche zu, das ja tatsächlich das erste und einzige dieser Art ist?

 

Die Frage der Bilderverehrung war in der Kirche schon manchmal ein großer Streitfall - das ist nichts Neues.

Doch das sowohl von der orthodoxen wie von der katholischen Kirche anerkannte zweite Konzil von Nizäa hat hier im Jahre 787 unter dem Beistand des Heiligen Geistes eine - bis heute gültige - eindeutige Entscheidung getroffen.



Übrigens: Selbst Martin Luther sagte den Bilderstürmern seiner Zeit,

Bilder in den Kirchen seien „zum ansehen, zum zeugnis, zum gedechtnis, zum zeychen“ erlaubt: "Gott hat die Entscheidung darüber den Menschen überlassen, bis auf einen Punkt: Bilder dürfen nicht angebetet werden!“



Luckau, 06.11.2011 - 32. Sonntag im Jahreskreis A