Auszug aus der Predigt von Bischof Ipolt zur

BISTUMSWALLFAHRT IN NEUZELLE

am 4. Septemberi 2011

 

Thema: Fest im Glauben



Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

...

 

Warum fällt es eigentlich vielen Menschen so schwer, zu glauben? Und noch etwas zugespitzter: Warum haben in mancher Familie die Kinder den Glauben der Eltern nicht übernommen oder ihn wieder verloren? Gibt es dafür Gründe? Kann man daran etwas ändern?

Es wird jedem einleuchten: Mit unserem Glauben an Gott ist es so ähnlich wie mit einer Beziehung zu einem Menschen. Das ist etwas Lebendiges. Da gibt es Höhen und Tiefen, da gibt es Spannungen – da ist nicht ein Tag wie der andere.

Wir wollen einmal fragen:

Was lockert diese unsere Beziehung zu Gott? Was lässt sie erschlaffen?

Um dann zu entdecken:

Was befestigt unseren Glauben? Welche Stützen gibt es für diesen Glauben?


Was lockert unsere Gottesbeziehung?

 

1. Da ist zunächst eine Haltung zu nennen, die sich in dem Satz widerspiegelt: „Ich bin doch ein guter Christ – was will denn der Pfarrer noch von mir?“ Wer so denkt, der bleibt stehen und er hat es aufgegeben zu suchen. Das ist die Haltung sich mit einem bestimmten Mittelmaß zufrieden zu geben. Da erwartet jemand nichts mehr Neues für seinen Glauben, da sucht er auch nicht mehr nach Vertiefung. Aber genau das lässt den Glauben langsam vertrocknen; da bleibt höchstens noch eine Gewohnheit, die eine Zeit lang aufrecht gehalten wird. Aber bei der kleinsten Schwierigkeit wird das eigene Leben „religionsfrei“ gestaltet – Sie können dafür auch sagen „gott – los“.

 

2. Manchmal höre ich in Gesprächen mit Menschen folgende Sätze, die meist so beginnen: „Früher, da war alles noch besser, da haben wir noch…. „ – und dann wird Verschiedenes aufgezählt an religiöser Praxis, was einmal im eigenen Leben, in der eigenen Familie üblich war. Es wird zum Teil auch ein wenig wehleidig festgestellt, dass das Eine oder Andere verloren gegangen ist, aber insgesamt habe sich die Zeit geändert und man müsse doch alles nicht mehr so genau nehmen…

 Der Glaube wird schwächer, wenn wir ihm seine Ernsthaftigkeit nehmen, wenn wir ihn gar als Relikt von früher betrachten. Der Blick zurück lässt vergessen, dass man auch heute vieles tun kann – wenn man es wirklich ernst meint mit dem Christsein. Früher war alles besser – das lähmt uns nur und lässt uns die Herausforderungen der Gegenwart übersehen.

 

3. Ich nenne als Drittes vielleicht das Wichtigste: Unser Glaube wird schwächer, wenn uns die regelmäßige Praxis des Gebetes verloren geht. Wer aufhört zu beten und sich darin treu zu üben, dessen Beziehung zu Gott muss erkalten. Wer werktags nicht betet, wird auch bald am Sonntag den Gottesdienst nur noch lustlos mitfeiern oder ihn kaum als eine Quelle für sein Christenleben entdecken. Das Gebet für sich allein oder in der Familie oder in den Gruppen unserer Gemeinden muss wieder selbstverständlicher werden, dann wird unser Glaube nicht ermatten. Weil das Gebet der tiefste Ausdruck unserer Beziehung zu Gott ist, darum hängt so viel davon ab.

 

 

Liebe Schwestern und Brüder, lassen Sie uns nun – nach dieser kleinen Diagnose, warum der Glaube schwach werden kann, auch fragen: Wie kann er denn fester werden? Wie kann man den eigenen Glauben stärken?

Ich gebe auch hier drei kleine Antworten:

 

1. Unser Glaube wird fester dadurch, dass wir ihn bezeugen, dass wir gläubig sprechen und leben. Aber wenn man vom Glauben „Gebrauch“ macht, ihn ins Spiel bringt, dann wird er bei mir selbst befestigt. Was ich vor anderen ausspreche und bezeuge, das lässt meinen eigenen Glauben wachsen. Täglich gibt es genügend Möglichkeiten, eine gläubige Antwort zu geben, sich zu erklären, wenn jemand nach meinem Verhalten in einer bestimmten Situation fragt: „Warum machst du denn das so? oder: Wie kannst du das nur ertragen?“

Wagen Sie es doch einfach einmal, wenn eine Gruppe der Gemeinde sich trifft, zu einem Gebet einzuladen (das muss nicht immer der Pfarrer tun); Schreiben Sie zu Weihnachten oder zum Osterfest einem bekannten Menschen einen Kartengruß, in dem Sie Ihren Glauben wirklich bezeugen; zetteln Sie in der Familie ein Gespräch über eine Glaubensfrage an – Sie werden sehen: Das befestigt den Glauben, weil er dann aus meinem Herzen – zumindest ein kleines Stück – in die Öffentlichkeit kommt.

 

2. Unser Glaube wird fester dadurch, dass wir einander als Christen suchen und den Glauben miteinander teilen. Ein solcher Wallfahrtstag wie der heutige oder der Weltjugendtag, der gerade hinter unseren Jugendlichen liegt und auch der Besuch des Papstes in unserem Land – das alles sind Erfahrungen der Gemeinschaft im Glauben. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten untern ihnen“, sagt der Herr heute im Evangelium. Ich habe nur kirchliche „Großveranstaltungen“ genannt, aber ich denke das gilt auch für die kleinen Versammlungen in unseren Gemeinden: für die kleine Jugendgruppe, die sich irgendwo trifft, für einen Gebetskreis, für die kleinen Werktagsgemeinden, die sich zur Eucharistiefeier versammeln - mit anderen gemeinsam glauben, beten, feiern.

Das stärkt uns selbst. Wir brauchen einander – niemand glaubt für sich allein. Wir glauben immer mit anderen zusammen. Gerade in der Diaspora müssen wir uns immer wieder gegenseitig aufsuchen und treffen, um gemeinsam in die Gegenwart des Herrn einzutauchen. Papst Benedikt, der uns bald besuchen wird, hat das schöne Wort geprägt: „Wer glaubt ist nie allein!“ – das kann man im Blick auf Gott verstehen, aber auch im Hinblick auf die Schwestern und Brüder im Glauben.

 

3. Unser Glaube braucht Nahrung von außen. Nicht nur meine eigene Auffassung über Glaubensfragen ist der Maßstab. Die redliche Vertiefung meines Glaubens darf nicht ausfallen. Es erstaunt mich manchmal schon sehr, wie wenig wir Katholiken unseren eigenen Glauben kennen, wie wenig wir in bestimmten Fragen Bescheid wissen. Hand aufs Herz:

Könnten Sie aus dem Stand heraus noch die 10 Gebote aufsagen? Oder die Werke der Barmherzigkeit aufzählen? Oder die 7 Sakramente …?

Wenn nicht, dann sollte uns das anstacheln – zur Lektüre eines religiösen Buches, der Heiligen Schrift oder auch einmal zur Teilnahme an einem Kurs in einem unserer Bildungshäuser im Bistum und darüber hinaus. Auch unsere Kirchenzeitung liefert da immer wieder Informationen und Hilfen. Wenn das eigene Glaubenswissen nicht genährt wird, dann verkümmert es, dann bleiben wir beim Gelernten unseres eigenen Religionsunterrichtes von früher stehen. Und das genügt eigentlich nicht. Der Glaube braucht immer wieder Wachstum und Nahrung.

 

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, der französische Arbeiterpriester Jacques Loew erzählte einmal in einem Bild vom Durst nach Gott und vom Glauben. Er schrieb:

 

"Wie kann man einen Esel, der keinen Durst hat, trotzdem zum Trinken bewegen? Und wie kann man - bei allem Respekt – einen Menschen dazu bringen, nach Gott zu dürsten, wenn er diesen Durst verloren hat und sich mit Bier und Schnaps, Fernsehen und Autofahren zufrieden gibt? Es scheint nur eine Lösung zu geben: Man muss einen durstigen Esel herbeischaffen, der ausgiebig, mit großen Genuss und Behagen, an der Seite seines Artgenossen aus dem Eimer trinkt. Aber ohne jedes Theater, einfach, weil er Durst hat, einen großen, unstillbaren Durst. Das wird seinen Kollegen nicht unbeeindruckt lassen.

Die Lust wird ihn ankommen, sich zum Eimer zu neigen und in tiefem Zug das erfrischende Wasser zu schlürfen.- Menschen, die Hunger und Durst nach Gott haben, sind für ihre Mitmenschen eine bessere Predigt als viele erbauliche Reden.“

 

(vollständiger Text unter: www.bistum-görlitz.de)