Auszüge aus dem

Hirtenwort von Bischof Wolfgang Ipolt

zur österlichen Bußzeit 2013

                                                                        Görlitz, den 13.02.2013

 

Die Macht der Sünde –

 

die Kraft der Umkehr

 

 

Liebe Schwestern und Brüder,

 

… ich möchte Sie in diesem „Jahr des Glaubens“ einladen, mit mir über die Wirklichkeit der Sünde und die Möglichkeit der Umkehr nachzudenken.

 

1. Was ist Sünde

 

… Sünden werden auch unter Christen oft nur als „Fehler“ oder „Schwächen“ deklariert. „Da ist etwas schief gegangen“, sagen wir dann schnell und gehen zur Tagesordnung über.

Sünde aber ist mehr. Sie greift unser Verhältnis zu Gott an. … Wer sündigt, lebt im Grunde so, als ob es Gott nicht gäbe. … Die wichtigste Auswirkung der Sünde ist, dass damit unsere Beziehung zu Gott gestört, ja zerstört werden kann. … Es geht um unsere Gottesbeziehung, die in der Taufe begründet worden ist, und die durch die Sünde verwundet wird.

 

Das Bußsakrament ist darum ein Sakrament der Heilung für die nach der Taufe begangenen Sünden.



Nachfolgend ein beeindruckender Kurzfilm zum Thema Beichte, der auch ohne Worte sehr aussagekräftig ist:

2. Die Sünde erkennen

 

Das allgemeine Schuldbekenntnis am Beginn der Hl. Messe nennt uns Bereiche unseres Lebens, in denen wir sündigen können:

 

-          in unseren Gedanken

-          im Reden und

-          nicht zuletzt im konkreten Tun.



… Eine der sieben Hauptsünden, die wir auch als Wurzelsünden bezeichnen, ist die Habsucht. Da ist ein Menschen – wie das Wort sagt – süchtig geworden nach Besitz.

 

… Ein solcher Mensch hat vielleicht als Kind nie gelernt, zu teilen oder auf etwas zu verzichten. Das Habenwollen und Habenmüssen ist in ihm zu einer Haltung geworden, die sich häufig in verschiedenen Formen von Geiz äußert und die ihn hindert, freigiebig zu sein.

 

Wie kann man von dieser Neigung geheilt werden? Nur, indem man dieser Sucht entgegen wirkt und anfängt, etwas zu verschenken ohne zu rechnen.

An welchen Stellen ich hier und da knausrig und sehr geizig bin, kann ich leicht erkennen. Welche Haltung aber hinter meinem Verhalten steckt, das bedarf einer tieferen Erkenntnis, die aber äußerst bedeutsam ist für den Vorgang der Umkehr. …

 

Die Erkenntnis der Sünde und der Trennung von Gott im eigenen Leben fällt heute vielen Menschen schwer. Das bedeutet aber nicht, dass es keine Sünden gibt. Das Böse behält seine Macht gerade dort, wo es heruntergespielt und vertuscht wird.

 

… Die Übung der Gewissenserforschung am Abend eines Tages ist eine hilfreiche Weise des Betens. … Durch diesen ehrlichen, immer wieder geübten Blick auf das eigene Leben kann echte Erkenntnis der Sünde möglich werden und in uns wachsen.

3. Die Kraft der Umkehr

 

Beim bloßen Erkennen der Sünde bleiben wir als gläubige Menschen nicht stehen. …

Den Weg zu einem Neubeginn können wir uns im Normalfall nicht selbst schaffen – er muss uns geschenkt und eröffnet werden.

Schon zwischen Menschen ist das so:

 

Der Ehemann bittet seine Frau um Entschuldigung, wenn er rücksichtslos gehandelt oder etwas nach Gutdünken entschieden hat, was die ganze Familie betrifft.

Sie wird die ernsthaft gemeinte Bitte ihres Mannes annehmen und ihm vergeben, weil sie weiß, dass nur so der häusliche Friede hergestellt werden kann und die Partnerschaft davon nur profitieren kann. …

Das Bekenntnis der Sünden verbunden mit aufrichtiger Reue, muss für einen Christen immer vor Gott geschehen. Warum ist das so? Können wir nicht einfach uns gegenseitig alles nachsehen und vergeben? Warum der Umweg über die Kirche und über Gott? …

Wenn wir einem Menschen wehtun, dann verletzen wir ein von Gott geliebtes Geschöpf. … Dazu kommt außerdem: Jede Sünde, auch die kleinste, verdunkelt das Zeugnis der Gemeinschaft der Gläubigen für die frohe Botschaft. … Sünde ist darum nie eine Privatsache, wie manche denken. Darum bedarf sie der Vergebung durch Gott und die Kirche.

 

Aus dem allgemeinen Sündenbekenntnis am Beginn der Heiligen Messe muss aus meiner Sicht immer wieder auch das unverwechselbare persönliche „Confiteor – Ich bekenne“ werden in dem Sakrament, das Jesus uns hinterlassen hat zur Heilung und Vergebung der Sünden. …

„Wenn aber einer sündigt, haben wir einen Beistand beim Vater, Jesus Christus, den Gerechten. Er ist die Sühne für unsere Sünden, aber nicht nur für unsere Sünden, sondern auch für die der ganzen Welt“, sagt der Apostel Johannes (1 Joh 2, 1-2).

 

Im Vertrauen auf diesen Beistand sollten wir uns mutig der eigenen Lebenswirklichkeit stellen und mit unseren Sünden voll Reue vor Gott hintreten. Die Kraft wahrer Umkehr wird unserem Christsein neues Profil geben und auch unsere Gemeinden verändern.

 

Auch das folgende Lied von Kurt Mikula ist ein Aufruf zur Umkehr.

Es heißt „Es ist nie zu spät“.

Für den Weg durch die 40 Tage der Vorbereitung auf Ostern segne euch

der allmächtige Gott +

der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Amen.

Unsere kurze Zusammenfassung des Bischofsbriefes als Strophe auf die Melodie des Liedes "Wohl denen, die da wandeln" GL 614 lautet:

 

Wer sündigt, lebt im Grunde,

 

als ob es Gott nicht gibt.

 

Und jede kleine Sünde

 

der Kirche Zeugnis trübt.

 

Erkenne und bekenne sie

 

im Sakrament der Buße!

 

Gott schenkt zur Umkehr Kraft.

Und abschließend noch ein Videoclip aus der Reihe „Katholische Kirche – Wie geht das?“, in dem der Kölner Weihbischof Dr. Dominikus Schwaderlapp die Funktion des Beichtstuhls erklärt.