Brief zum Advent und zum Weihnachtsfest 2014

Liebe Schwestern und Brüder!


WARTEN – dieses Wort wird im Advent oft bemüht. Die Haltung des Wartens wird oft beschworen. Aber ist es wirklich nur eine adventliche Haltung? Ich meine, dass wir vielfach im Leben die Geduld des Wartens brauchen. Denn: Wer geduldig warten kann, gewinnt etwas. Wir warten auf den Bus oder die Straßenbahn, beim Arzt sitzen wir in einem Wartezimmer (ein bildhafter Ausdruck!), wir warten in jedem Geschäft, auf einem Amt, auf der Bank – bis wir an der Reihe sind. Neben diesen kleinen Warte-Erlebnissen gibt es die großen Erfahrungen des Wartens. Wie viele Menschen warten noch auf den richtigen Ehepartner, erhoffen einen besseren Arbeitsplatz, warten darauf, dass jemand ihnen endlich zuhört und sie ernst nimmt. Und gerade wenn man älter wird und nicht mehr so einfach das Haus verlassen kann, wartet man auf Besuch, auf Menschen, mit denen man in Verbindung bleiben kann.

Im Advent – in der Zeit vor Weihnachten – üben wir also etwas ein, was immer zu unserem Leben gehört. Aber dieses Warten hat ein anderes, tieferes Ziel.

„Im Advent erwartet die Kirche wachend und betend Christus, den Herrn.“ So beschreibt es unser neues „Gotteslob“. Aus bloßem Warten wird ERWARTEN.

Da ist eine tiefe Hoffnung, die der gläubige Mensch in sich trägt und die er auf Christus richtet, den Heiland der Welt.

Das drücken wir vor allem im Gebet aus. Ich lade Sie mit diesem Brief ein, allein oder mit Ihren Angehörigen oder Bekannten ab und zu im Advent das kleine Hausgebet zu beten, das sich in unserem neuen Gesangbuch unter der Nummer 25 findet. Es ist ganz einfach und braucht nur wenig Zeit. Wie schön wäre es, wenn Sie als Großmutter oder Großvater ihre Kinder oder Enkel in jeder Woche des Advents einmal dazu einladen würden? Sich um den Adventskranz versammeln, ein Lied anstimmen und das „Hausgebet“ sprechen – das kann jeder, der seine Erwartungen auf den Herrn richtet. Es gehört nur ein wenig Mut dazu. Aber: Wer zusammen betet, der hat sich entschieden, seinen Glauben zu teilen und er richtet seine Erwartungen auf Gott. Von ihm dürfen wir alles erwarten. Er hat immer Überraschungen bereit für uns.

Die größte Überraschung ist, dass er seinen Sohn in die Welt sendet, weil er uns ganz nahe sein will. Das werden wir an Weihnachten feiern. Das übertrifft alle unsere Erwartungen.

 

Liebe Schwester und Brüder, wer das Warten im Alltag verwandeln kann in eine Haltung der Erwartung, der ist schon offen für Gott. Denn einmal wird Gott diese unsere irdische Lebenszeit münden lassen in seine Ewigkeit.

 

Eine gesegnete Weihnacht und ein von Gott behütetes Jahr 2015 wünscht Ihnen Ihr Bischof

Nachfolgend das vom Bischof empfohlene Hausgebet aus dem neuen "Gotteslob" Nr. 25:

 

HAUSGEBET IM ADVENT

 

Im Advent erwartet die Kirche wachend und betend Christus, den Herrn. Deshalb ist es sinnvoll, dass die Familie gerade auch in dieser Zeit gemeinsam singt und betet. Der folgende Vorschlag kann durch Instrumentalmusik oder Lieder ergänzt werden.

 

ERÖFFNUNG

 

Die Kerzen am Adventskranz – in jeder Adventswoche eine mehr – werden entzündet. Dazu können die entsprechenden Strophen aus dem Lied „Wir sagen euch an den lieben Advent“ (Nr. 223) gesungen werden.

 

KREUZZEICHEN

 

V: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

 

A: Amen.

 

GEBET

 

V: Gütiger Gott, voll Freude erwarten wir das Fest der Geburt Jesu, deines Sohnes: Er macht hell, was in unseren Herzen dunkel ist. Er kann trösten, wo wir traurig sind. Lass uns spüren, dass er uns nahe ist. Gib uns die Kraft, selbst aufzubrechen und ihm entgegenzugehen, Christus, unserem Bruder und Herrn.

 

A: Amen.

 

SCHRIFTLESUNG

 

Jemand trägt eine kurze Schriftlesung vor, z. B.:

 

L: Aus dem Buch Jesaja (Kap. 40, 3 – 5)

 

„Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott! Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, und was hüglig ist, werde eben. Dann offenbart sich die Herrlichkeit des Herrn, alle Sterblichen werden sie sehen. Ja, der Mund des Herrn hat gesprochen.“

 

FÜRBITTEN

 

V: Der Herr ist nahe, er hört unsere Bitten. Zu ihm lasst uns rufen: Komm, Herr, und erlöse uns.

 

A: Komm, Herr, und erlöse uns.

 

V: Hilf dem Volk Gottes, mit Freude von deiner Ankunft Zeugnis zu geben und so für dich in dieser Zeit die Wege zu bereiten.

 

A: Komm, Herr, und erlöse uns.

 

Fürbitten in besonderen Anliegen können eingefügt werden.

 

V: Erfülle unsere Hoffnung und lass uns mit unseren Verstorbenen deine Herrlichkeit schauen, wenn du am Ende der Zeit wiederkommst.

 

A: Komm, Herr, und erlöse uns.

 

VATERUNSER

 

V: Alle unsere Anliegen nehmen wir mit hinein in das Gebet, das Jesus uns zu beten gelehrt hat:

 

A: Vater unser … Denn dein ist das Reich …

 

SEGENSBITTE

 

V: Der Herr segne uns, er bewahre und vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.

 

A: Amen.

 

Es kann das „Gegrüßest seist du Maria“ (Nr. 3,5) gesprochen oder ein Marienlied (z. B. „Maria durch ein Dornwald ging“, Nr. 224) oder ein Adventslied gesungen werden.