Brief des Bischofs

an die kranken und älteren Gemeindemitglieder

                                                                        Advent 2011

 

Liebe Schwestern und Brüder,

 

zum ersten Mal schreibe ich Ihnen als Bischof diesen Brief in der Adventszeit. Ich grüße damit besonders die älteren und kranken Gemeindemitglieder, insbesondere diejenigen unter Ihnen, die nicht mehr zum Gottesdienst kommen können.

Ich nehme ein Bild zu Hilfe: Wie oft gehen oder fahren wir in unserem Leben über Brücken. Brücken verbinden die beiden Ufer eines Flusses miteinander; Brücken überspannen tiefe Täler und lassen die Autobahn einigermaßen gerade ans Ziel kommen; Brücken helfen, Wartezeiten oder gar Unfälle zu vermeiden. Oft sind Brücken auch ganz besonders schön gestaltet und gelten als Meisterleistungen der Architektur.



Tower-Bridge in London

Denken wir nur an die Tower-Bridge in London oder die Kettenbrücke in Budapest oder auch die mittelalterliche Krämerbrücke in Erfurt mit ihren vielen kleinen Häusern.

Brücken verbinden und helfen, dass Menschen zueinander finden können.

An Weihnachten feiern wir: Gott hat eine Brücke zum Menschen gebaut. Es liegt ihm viel an uns!



Kettenbrücke in Budapest

Er wusste: Da sind die tiefen Gräben der Sünde und der Gottferne. Da sind die vielen Versuche des Menschen, eigene Wege zu finden und zu gehen, manchmal auch Irrwege.

Weil Gott uns erschaffen hat, sind wir ihm nicht gleichgültig. Darum macht er sich auf den Weg zu uns. Das werden wir auch in diesem Jahr dankbar an Weihnachten feiern.

Das große Fest der Menschwerdung Gottes ist das Fest eines gelungenen Brückenbaus.



Krämerbrücke in Erfurt

Wenn man älter wird und vielleicht länger krank ist, dann stellt sich schon einmal die Frage ein: Was wird aus meinem Leben? Wie viele Jahre wird Gott mir noch schenken? Werde ich einigermaßen gesund bleiben? Das alles kann uns sorgenvoll beschäftigen und manchmal auch unruhig machen. Aber für einen Christen sind das nicht die bedeutungsvollsten Fragen.

Wichtiger scheint mir die Frage zu sein: Werde ich im Alter und in der Krankheit die richtige Brücke finden – die Brücke ins ewige Leben? Werde ich ehrlich auf diese Brücke zusteuern? Es geht doch letztlich darum, das ewige Ziel nicht zu verfehlen.



Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft

Der Gedanke an das beschwerliche Alter, an die Krankheiten, die manche Einschränkungen abverlangen, darf uns nie ganz gefangen nehmen. Gerade das kommende Fest wirft ein neues Licht in unser Leben und auch auf alles Beschwerliche und Mühselige: Gott selbst hat sich nicht gescheut, das alles mit uns zu teilen. Die Brücke, die ER gebaut hat, steht ein für allemal. Sie führt uns einmal hinüber in das ewige Leben. Das ist ein großer Trost – ganz besonders im Alter und in der Krankheit.

Ich wünsche mir, dass Sie diesen Gedanken im Advent einmal ganz praktisch einüben, indem Sie täglich den Engel des Herrn beten. Er findet sich in unserem „Gotteslob“ unter der Nummer 2, 7.



In diesem Gebet danken wir dafür, dass Gott die entscheidende Brücke zu uns Menschen gebaut hat. Maria hat ihm durch ihr Ja-Wort dabei geholfen. Der „Angelus“ schließt mit der Erinnerung daran, dass wir zur „Herrlichkeit der Auferstehung“ berufen sind.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete adventliche Zeit und dann ein gnadenreiches Fest der Menschwerdung unseres Herrn.

 

In der Liebe Christi grüßt Sie

Ihr Bischof

 

+ Wolfgang Ipolt